Einigung im Tarifkonflikt zum TV-FFS

BFFS, ver.di und Produktionsallianz einigen sich nach über einem Jahr auf einen neuen, rückwirkenden Tarifvertrag für freie Filmschaffende

Zwei Erhöhungen in der Tarifgagen-Tabelle von jeweils 2,5 % im Mai 2025 und im Januar 2026 – so schlicht und ernüchternd scheint das Ergebnis dieser Marathonrunde der Verhandlungen zum Tarifvertrag TV-FFS zu sein. Dieser soll zum 1. Januar 2025 in Kraft treten und seine Wirkung rückwirkend entfalten. Das ist wichtig, denn die kurze Spanne der sogenannten „tariflosen Zeit“ hat verdeutlicht, was ein Tarifvertrag primär bedeutet: Er setzt den Rahmen für Vertragsausgestaltungen und hat erhebliche Konsequenzen für die individuelle soziale Absicherung von Filmschaffenden sowie für die transparente Wettbewerbsfähigkeit von Arbeitgebern im nationalen und internationalen Branchenumfeld. Ohne Tarifvertrag wuchert der indivdualvertragliche Wildwuchs bis hin zum arbeitsrechtlichen Unfug – quod erat demonstrandum.

Das Ergebnis des Tarifabschlusses zeigt, dass die gesetzliche Sozialpartnerschaft auch in wirtschaftlich turbulenten Zeiten funktioniert. Eine Selbstverständlichkeit ist das nicht.

Dennoch ist nicht alles in trockenen Tüchern. Solange die neuen Regelungen des Manteltarifvertrags nicht in Worten und Zahlen festgehalten sind, lohnt eine detaillierte Darlegung kaum. Jedes Wort könnte Strategien zur Umgehung und beidseitiges Rosinenpicken ermöglichen – eine Disziplin, die in der Branche allseits längst Königsstatus erreicht hat.

Dass die Tagesarbeitszeiten stärker eingehegt werden, ein zusätzlicher Freizeitausgleich zu regelmäßigeren 4-Tage-Wochen bei längeren Drehvorhaben führen könnte und die Altersvorsorge gestärkt wird, wird allgemein berichtet. Diese Punkte entsprechen dem Zeitgeist und dem Bedarf an besseren Standards in den Beschäftigungsverhältnissen der Branche.

Doch zentrale Zukunftsaufgaben zur nachhaltigen Stärkung des Personalwesens in der freien Filmproduktion wurden nicht weiterverhandelt. Zurückgestellt wurden Themen wie die Harmonisierung der Berufe in der Tarifgagentabelle, die strukturell fortgeschriebene tarifliche Benachteiligung „klassischer Frauenberufe“ der Branche oder die Entwicklung von Stufenmodellen zur Anerkennung von Berufserfahrung und zur Förderung berufsbegleitender Qualifikation. Auch das gemeinsame Ziel der Allgemeinverbindlichkeit des TV-FFS für die gesamte Branche sowie die längst vereinbarte, aber bisher nicht umgesetzte Clearingstelle für Streitigkeiten stehen aus. Zudem fehlt (zunächst) weiterhin eine europa-rechtlich solide Regelung zu den Auswirkungen von KI auf die kreative und organisatorische Arbeit. All dies wären bedeutende Schritte, um die beschworene Tarifpartnerschaft in gemeinsamer Verantwortung für eine nachhaltige Branchenentwicklung zu beleben und zu kräftigen.

Vor gut einem Jahr kommentierte der BvP an dieser Stelle: „Die Ausgangslage sind umfängliche personelle und strukturelle Neuaufstellungen bei allen beteiligten Tarifpartnern. Es stehen also manche Hausaufgaben an, um eine konstruktive Arbeitsbasis zu schaffen.“ Zwölf Monate Verhandlungen beweisen die Ernsthaftigkeit der partnerschaftlichen Auseinandersetzung. Chapeau! Das wird nicht spurlos an den Beteiligten vorübergegangen sein. Umso dringlicher erscheinen Maßnahmen zur Evaluation und Feedback-Aufarbeitung auf beiden Seiten. So könnten die gewonnenen Erfahrungen bewahrt und verbessert werden – mit dem Ziel, in zwei Jahren in gegenseitiger Wertschätzung darauf aufzubauen. Dies wären auch Signale, die die Branche aussenden könnte und sollte.

Zur abgestimmten Pressemitteilung der Produktionsallianz (Link).