Die britische Branchengewerkschaft BECTU hat Umfrageergebnisse vom Juli 2024 veröffentlicht, die eine kontinuierliche Verbesserung der Beschäftigungslage seit dem Ende des SAG-AFTRA-Streiks im November 2023 in der britischen Filmwirtschaft zeigen. Dennoch bleibt die Arbeitslosigkeit in der Branche hoch. Selbst Sektoren, die nicht direkt vom Produktionsstopp für den US-dominierten Weltmarkt betroffen waren, befinden sich weiterhin in einer Situation mit unklaren Perspektiven.
Im Juli 2024 waren 52 % aller Filmschaffenden in Großbritannien arbeitslos. Im Februar 2024 lag die Zahl noch bei 68 %. Trotz dieser Verbesserung erwägen mehr Filmschaffende denn je, die Branche in den nächsten fünf Jahren zu verlassen. 38 % der britischen Filmschaffenden denken darüber nach, während es im September 2023 nur 24 % waren.
Nur 6 % der Filmschaffenden gaben an, dass sich ihre Situation seit dem Streik normalisiert hat. Benachteiligte oder unterrepräsentierte Gruppen sind überdurchschnittlich stark von Arbeitslosigkeit betroffen.
Seit dem Ende des Streiks ist die Zahl derjenigen, die ihre finanzielle Situation als schwierig einstufen, deutlich gestiegen (81 % der Befragten). 21 % mussten ihre Ausfälle durch einen Kredit oder unbesicherte Schulden abfedern.
Neben den finanziellen Auswirkungen dominiert das Gefühl der Unsicherheit, da die weitere Entwicklung der Branche völlig unklar ist. Frauen sowie Menschen mit schulpflichtigen Kindern denken überdurchschnittlich oft über einen Branchenwechsel nach. Ihr Anteil liegt etwa 3 % über dem Durchschnitt.
Die britische Filmproduktionswirtschaft ist stärker von Aufträgen und Koproduktionen für US-amerikanische Global Players abhängig als die deutsche. Wesentlich für die zukünftige Beschäftigungslage in Großbritannien wird daher der internationale Wettbewerb um die Ansiedlung von Film- und Serienproduktionen sein. Großbritannien hat sich in diesem Wettbewerb neu positioniert: Ein neuer Film Tax Credit von 39,75 % ist ab 2025 für Projekte mit Drehstart ab April 2024 verfügbar, und zwar für Produktionen bis zu einem Budgetdeckel von 15 Mio. Pfund. Zuvor lag die Förderquote bei 30 %.
Wie schnell die jüngsten internationalen Verwerfungen und Verlagerungen durch diesen steuerlichen Anreiz ausgeglichen werden können und ob sich dies direkt auf die Einkommenssituation im britischen Filmsektor auswirken wird, bleibt laut Umfrageergebnissen unklar. Filmschaffende in Großbritannien stehen dem offenbar skeptisch gegenüber.
