Der Dienstleistungssektor der Filmwirtschaft unter Druck

Die Schließung von Cinegate ist kein Einzelfall, aber auch kein Sonderfall

Die angekündigte Schließung der Cinegate GmbH hat in Teilen der Branche starke Reaktionen ausgelöst. Die Sorge darüber ist nachvollziehbar. Mit Cinegate verschwindet ein langjähriger Anbieter aus einem wirtschaftlich ohnehin angespannten Marktumfeld. Gerade für Produktionsunternehmen, die auf verlässliche technische Dienstleister angewiesen sind, ist jeder solche Vorgang zunächst ein Einschnitt.

Der Bundesverband Produktion Film und Fernsehen e.V. (BvP) macht sich zugespitzte Folgerungen einzelner Stellungnahmen zu diesem Fall nicht zu eigen. Gleichwohl teilt der Verband den grundsätzlichen sorgenvollen Blick auf die Entwicklung im Dienstleistungssektor der deutschen Filmwirtschaft. Denn die Schließung von Cinegate steht nicht isoliert, sondern reiht sich in eine Serie weiterer krisenbedingter Marktbewegungen ein, die seit 2023 in verschiedenen Bereichen der Branche zu beobachten sind.

Eine Branche im Modus der Anpassung

Die deutsche Film- und Fernsehwirtschaft befindet sich seit dem Jahr 2023 in einer anhaltenden Krisenphase. Rückläufige Produktionsvolumina, hohe Kosten, schwankende Auftragslagen und sinkende Planungssicherheit haben nicht nur Produktionsunternehmen selbst getroffen. Unter Druck geraten sind ebenso die spezialisierten Dienstleister entlang der Produktionskette: Rental-Unternehmen, Studios, Postproduktion, VFX-Dienstleister, Ausstattungshäuser und andere technische Infrastrukturträger.

Die Schließung von Cinegate ist in diesem Zusammenhang kein singuläres Ereignis. In den vergangenen Jahren kam es bereits an anderer Stelle zu Standortschließungen, Kapazitätsabbau, Eigentümerwechseln oder konzerninternen Restrukturierungen. Betroffen waren alle genannten Segmente – von Filmtechnik über VFX bis hin zu klassischen Full-Service-Produktionsdienstleistungen.

Diese Vorgänge unterscheiden sich im Einzelfall erheblich. Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass sie auf einen Markt reagieren, der sich seit mehreren Jahren in einem Anpassungsprozess befindet.

Cinegate: Bedeutender Anbieter, aber kein unersetzlicher Marktbaustein

Cinegate war nüchtern betrachtet ein relevanter Anbieter im Bereich Rental, insbesondere in der Bündelung von Kamera-, Licht- und Grip-Angeboten sowie mit eigenen Studioflächen. Daraus allein folgt jedoch nicht automatisch, dass mit der Betriebsschließung ein infrastrukturelles Vakuum entsteht, das von Mitbewerbern grundsätzlich nicht aufgefangen werden könnte, wenn auch der Marktanteil von Cinegate an den jeweiligen Firmenstandorten nicht solide beziffert werden kann.

Nach Einschätzung des BvP bestehen im Markt kurzfristig weiterhin Ausweichkapazitäten. Gerade kleine und mittlere Produktionsbedarfe dürften in der Regel durch andere Anbieter abgedeckt werden können. Cinegate war damit kein systemkritischer Infrastrukturanbieter im engeren Sinn.

Differenzierter ist der Blick bei größeren Filmproduktionen, denn dort ist der Kreis leistungsfähiger Anbieter kleiner. Und komplexe technische Gesamtpakete lassen sich nicht beliebig substituieren. Auch hier ist jedoch nicht von einem unmittelbaren Zusammenbruch der Versorgungsstruktur auszugehen.

Die eigentliche Frage liegt daher weniger im Wegfall eines einzelnen Unternehmens als in der mittelfristigen Entwicklung des gesamten Marktes.

Wenn Überkapazitäten verschwinden

Der deutsche Dienstleistungsmarkt der Filmwirtschaft weist derzeit in Teilen noch Überkapazitäten auf. Das ist ein Ergebnis des Nachfragerückgangs der vergangenen Jahre. Solche Überkapazitäten wirken kurzfristig stabilisierend, weil sie Marktveränderungen abfedern.

Mittel- und Langfristig ist diese Betrachtung jedoch nicht beruhigend. Denn wenn in einer Krise Kapazitäten dauerhaft aus dem Markt verschwinden – durch Schließungen, Standortaufgaben oder strukturelle Verlagerungen –, sinkt zugleich die Fähigkeit des Systems, auf eine spätere Erholung flexibel zu reagieren. Was heute als Überangebot erscheint, kann morgen zum Engpass werden, sobald Produktionsvolumina wieder steigen.

Gerade Produktionsabteilungen kennen dieses Risiko aus der Praxis: Nicht allein die Existenz von Technik entscheidet, sondern ihre kurzfristige Verfügbarkeit, ihre Bündelbarkeit und die Fähigkeit, komplexe Produktionen unter hohem Zeitdruck zuverlässig abzuwickeln.

Der Blick auf den Dienstleistungssektor bleibt Anlass zur Sorge

Aus Sicht des BvP liegt deshalb die eigentliche Bedeutung des Cinegate-Falls nicht in der Frage, ob einzelne Rental-Leistungen morgen noch verfügbar sein werden. Sie liegt vielmehr in der Tatsache, dass sich der Dienstleistungssektor der deutschen Filmwirtschaft in einem schmerzhaften Umbau befindet – und ein kurzfristiges Ende dieser Entwicklung derzeit nicht erkennbar ist.

Jeder Marktaustritt, jede Standortschließung und jede strukturelle Verlagerung verändert die Produktionsbedingungen. Manche Veränderungen lassen sich kompensieren. Andere wirken erst mit zeitlicher Verzögerung. Dies gilt gleichermaßen für die Produktionsmittel wie auch für das Personalwesen der projektorientierten Filmwirtschaft. Erstere werden überwiegend vom Dienstleistungssektor bereitgestellt, zweiteres ist durch den flukturierenden Personalmarkt von auf Produktionsdauer beschäftigten sowie von selbstständigen und arbeitnehmerähnlichen Filmschaffenden geprägt. Deren Berufsverbände registrieren, wie auch der BvP, eine erhöhte Ausweichbewegung von Filmschaffenden auf andere Erwerbsfelder, verbunden mit steigenden Risiken für die weitere Personalentwicklung innerhalb der Filmwirtschaft.

Deshalb erscheint die isolierte Dramatisierung einzelner Fälle weniger hilfreich als eine realistische Beobachtung des Gesamtmarktes. Die Schließung von Cinegate ist kein Sonderfall. Sie ist ein weiteres Zeichen dafür, dass die Krise der Filmwirtschaft längst auch die Dienstleistungsstrukturen erreicht hat. Das sollte nüchtern betrachtet werden – ohne Überzeichnung, aber auch ohne die Erwartung, dass sich der Markt kurzfristig von selbst stabilisiert.

Es bleibt zu hoffen, dass die Mitarbeitenden von Cinegate und ihre Erfahrung der Branche und uns erhalten bleiben!