Fachkräfteschwund gefährdet den Filmstandort Deutschland

Seit 2023 verliert die Filmwirtschaft qualifizierte Fachkräfte und Nachwuchspersonal. Ohne Planungssicherheit und Bildungsinvestitionen ist ihr künftiger Aufschwung gefährdet.

Executive Summary

Die deutsche Filmwirtschaft verliert seit 2023 deutlich Fachkräfte. Stark betroffen sind zentrale Produktions- und Assistenzberufe. Eine BvP-Auswertung von Crew United zeigt hier Rückgänge zwischen 14 und 31 Prozent. Der Mitgliederbestand des BvP sank im gleichen Zeitraum netto um knapp 20 Prozent. Und ein Großteil der ausgeschiedenen Mitglieder stehen der Branche dauerhaft nicht mehr zur Verfügung.

Damit verschärft sich ein bereits bekanntes Strukturproblem. Mehrere betroffene Produktionsberufe galten 2022 noch als Mangelberufe. Heute fehlt nicht die Nachfrage nach Personal. Es fehlen verlässliche berufliche Perspektiven. Besonders kritisch ist der Rückgang bei Assistenzstellen. Sie bilden häufig die Entwicklungsstufe für spätere Fach- und Führungsstellen.

Künstliche Intelligenz verstärkt diesen Wandel zusätzlich. Sie verändert typische Einstiegs- und Assistenzaufgaben. Routinearbeit kann entfallen, doch es dürfen damit keine Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten verschwinden. Unternehmen müssen deshalb Kompetenzprofile schärfen. Sie müssen Verantwortung früher übertragen und berufliche Entwicklung aktiv gestalten.

Zugleich sind viele Produktionsprozesse noch nicht „KI-ready“. Datensilos, Medienbrüche und fehlende Schnittstellen begrenzen einen echten KI-Mehrwert für Unternehmen. Diese müssen deshalb Prozesse dokumentieren, Datenflüsse vereinheitlichen und ihre KI-Nutzung organisatorisch gestalten.

Fachkräftesicherung braucht jedoch mehr als betriebliche Maßnahmen. Planungssicherheit ist selbst ein Instrument der Personalbindung. Ohne verlässliche Produktionsperspektiven verlassen erfahrene Fachkräfte die Branche. Ein späterer Aufschwung würde deshalb erneut auf erhebliche Personalengpässe treffen.

Parallel braucht die Filmwirtschaft dauerhafte Bildungsstrukturen. Dazu gehören duale Qualifikationswege, spezialisierte Weiterbildungen, Qualitätsstandards und geeignete Bildungsträger. Auch eine dauerhafte Koordinierungsstruktur ist erforderlich.

Aus- und Weiterbildung sind als Standortinvestitionen zu verstehen. Der BvP fordert, solche Maßnahmen auch im MedienInvestVG anzuerkennen. Denn ein Produktionsstandort besteht nicht nur aus Aufträgen und Infrastruktur.

Er braucht qualifizierte Menschen, die dort ihre Zukunft sehen.
Fachkräftesicherung muss deshalb vor dem nächsten Aufschwung beginnen.

Das Personalwesen der Filmbranche gerät aus dem Gleichgewicht

Seit Beginn einer umfassenden Branchenkrise durchläuft die deutsche Filmwirtschaft eine tiefgreifende Marktanpassung. Unternehmen brauchen daher verlässliche Rahmenbedingungen, Produktionsperspektiven und Vertrauen, ebenso wie die Fachkräfte der Filmproduktion.Rund zwei Drittel der Beschäftigten arbeiten überwiegend projektbezogen, ihre Erwerbssituation ist bereits unter normalen Bedingungen volatil. Sie erfüllen dabei eine zentrale Branchenfunktion: Kurzfristige und flexible Verfügbarkeit auf dem Branchenarbeitsmarkt. Die anhaltend unklaren Perspektiven gefährden dieses Gleichgewicht akut. Viele Fachkräfte orientieren sich bereits beruflich neu.

Der Personalbestand in der Filmproduktion schrumpft

Die Entwicklung zentraler Berufsgruppen zeigt diesen Trend deutlich. Eine aktuelle Auswertung des Bundesverband Produktion Film und Fernsehen (BvP) der Filmpersonal-Suchfunktion der Online-Plattform Crew United zeigt dies für einen Teil der vom BvP vertretenen Produktionsberufe exemplarisch.

Seit 2023 sank der Bestand an bundesweiten Suchergebnissen bei der…

  • Filmgeschäftsführung um minus 17 Prozent
  • Assistenz der Filmgeschäftsführung um minus 25 Prozent
  • Produktionskoordination um minus 14 Prozent
  • Produktionsassistenz um minus 31 Prozent
  • Motiv-Aufnahmeleitung um minus 21 Prozent

Diese Rückgänge sind nicht gleichzusetzen mit Branchenabgängen, denn auch Berufswechsel innerhalb der Branche wären enthalten. Doch die Größenordnung ist auffällig und sie wird gestützt durch interne Zahlen des BvP. Seit 2023 sank der Mitgliederbestand des BvP netto um knapp 20 Prozent, und dieser Rückgang kann genauer eingeordnet werden: Der größte Teil ausgeschiedener BvP-Mitglieder steht der Branche nicht mehr zur Verfügung. Die Hauptgründe sind hier altersbedingtes Ausscheiden und berufliche Neuorientierung außerhalb der Branche.

Das Bild wird ergänzt durch eine weitere Auswertung, welche dem Arbeitskreis Fachkräftestrategie Film & TV von Crew United im Juni 2026 zur Verfügung stellte. Demnach sinkt die Zahl fiktionaler Projekte deutlich. Von 2022 bis Ende 2026 beträgt der Rückgang voraussichtlich rund 15 Prozent, bei nicht-fiktionalen Projekten liegt er bei rund 70 Prozent. Die Mitglieder des BvP wiederum sind überwiegend in der Produktion fiktionaler Projekte beschäftigt, was die Schlussfolgerung zulässt, dass der Rückgang an Jobs bei Produktionsberufen zu einem überproportionalen Personalschwund geführt hat.

Die Krise trifft Mangelberufe und auch den Nachwuchs

Zwei weitere Erkenntnisse aus diesen Zahlen sind besonders alarmierend.

Die Zahlen belegen einen Rückgang bei Produktionsberufen, welche in einer Branchenerhebung von 2022 bereits als kritische Mangelberufe eingestuft wurden. Die Zahlen zeigen: Der Mangel nimmt trotz Auftragsflaute zu, lediglich seine Wirkrichtung hat sich verändert. Im Boom-Jahr 2022 äußerte er sich in fehlendem Personal bei hoher Nachfrage. Heute verliert die Branche qualifizierte Fachkräfte wegen fehlender Perspektiven.

Besonders stark hingegen fällt der Rückgang bei etablierten Assistenzberufen aus. Damit verliert die Branche ihre Fachspezialisten und Führungskräfte von morgen. Gerade diese Entwicklung ist mittel- und langfristig problematisch.

Denn Assistenzstellen sind manchmal Einstiegs-, meist jedoch vor allem Entwicklungspositionen. Sie bilden Erfahrungswissen, Fachkompetenz und Verantwortungsfähigkeit aus. Ein Rückgang betrifft deshalb nicht nur heutige Kapazitäten. Er schwächt auch künftige Personalstrukturen.

KI verändert berufliche Entwicklungspfade

Das Angebot an Einstiegsjobs ist seit 2022 international und branchenübergreifend deutlich gesunken. Besonders betroffen sind Wissensberufe und digital geprägte Tätigkeiten. Neben der Konjunktur spielt dabei auch Künstliche Intelligenz eine erkennbare Rolle. Etwa 15 bis 30 Prozent des Rückgangs könnten laut Studien mit KI zusammenhängen. In stark digitalisierten Medienberufen dürfte der Anteil sogar höher liegen.

Internationale Studien zeigen ein deutliches Muster: Junge Beschäftigte verlieren stärker in KI-exponierten Tätigkeitsfeldern. Erfahrene Fachkräfte sind deutlich weniger betroffen. Unternehmen mit intensiver KI-Nutzung bauen nicht zwingend Beschäftigung ab. Häufig verschiebt sich jedoch der Personalbedarf.

Für Personalverantwortliche ist deshalb eine wichtige Unterscheidung notwendig: Nicht immer verschwindet ein Beruf. Häufig verändert sich zunächst nur sein Einstiegsprofil. Personelle Einstiegs- und Entwicklungspositionen geraten durch die zunehmende Nutzung von KI also zusätzlich unter Druck. KI ersetzt bei Assistenzfunktionen meist keine Stellen, sie verändert jedoch deren Aufgabenbereich.

Wenn KI einfache Aufgaben übernimmt, verändert sich also ein beruflicher Entwicklungspfad. Das ist zunächst nicht problematisch. Routinearbeit muss keinen Selbstzweck erfüllen. Problematisch wird es jedoch dann, wenn mit ihr Lerngelegenheiten verschwinden.

Wer weniger Listen pflegt, kann für weitere Aufgaben Verantwortung übernehmen. Dafür müssen Unternehmen diese Verantwortung aber auch übertragen. Geschieht das nicht, entsteht eine Lücke. Dann sinkt vielleicht kurzfristig der Personalbedarf – etwa im Produktionsbüro von Filmprojekten. Gleichzeitig wird jedoch weniger Nachwuchs aufgebaut und weiterentwickelt.

Für Produktionsunternehmen der Filmwirtschaft entsteht damit eine doppelte Aufgabe. Zum einen müssen sie berufliche Entwicklungspfade sichern. Wenn KI-Tools typische Einstiegsaufgaben übernehmen, braucht der Nachwuchs neue Lernfelder. Routinearbeit kann entfallen, praktische Erfahrung darf dabei aber nicht verloren gehen.

Zum anderen müssen Unternehmen ihre Prozesse stärker vorbereiten. Viele administrative und organisatorische Abläufe sind bislang nur bedingt „KI-Ready“. Tätigkeiten und Berufsprofile funktionieren häufig wie einzelne Inseln. Daten liegen in persönlichen Ablagen. Weitergegeben werden sie oft über Anwendertabellen oder Berichte – meist als Medienbruch. Ein effektiver Einsatz von KI-Tools erfordert hingegen Daten-Transparenz, ebenso wie berufliche Entwicklung transparente Stellen- und Kompetenzprofile benötigt.

Filmspezifische Branchensoftware und kollaborative Plattformen können diese Brüche und Trennungen verringern. Sie folgen jedoch oft keinen Branchenstandards und sind auch nur bedingt an Unternehmensprozesse anpassbar. Hinzu kommen ihre begrenzten Import- und Exportfunktionen, automatisierte Schnittstellen fehlen in der Regel gänzlich. Den Unternehmen geht bei Nutzung solcher Produkte der unlimitierte Zugriff auf ihre eigenen strukturierten Unternehmensdaten verloren, und unternehmenseigene Prozessregeln bleiben digital nur bedingt abbildbar.

In der Praxis dominiert aktuell ein „Bring and use your own AI“-Prinzip. Einzelne Beschäftigte nutzen eigene Werkzeuge. Betriebliche Vorgaben beschränken sich häufig auf Regeln zum Datenschutz und zur Geheimhaltung. Betrieblicher Kontext fehlt. Auch beim Führungspersonal bleibt der Einsatz von KI oft individuell, sie wird für eigene Aufgaben genutzt. Weniger Aufmerksamkeit erhält die gemeinsame Prozessgestaltung. Gerade hier liegt jedoch eine zentrale Führungsaufgabe. Produktions-, Herstellungs- und kaufmännische Leitungen müssen künftig stärker entscheiden, welche operativen Abläufe standardisiert werden sollten, und welcher Kontext bestimmend sein soll.

Handlungsfelder für Unternehmen und Verbände

Für Produktionsunternehmen ergeben sich daraus mehrere miteinander verbundene Aufgaben:

  • Einstiegsprofile weiterentwickeln: Juniorfunktionen brauchen neue Lernziele.
  • Verantwortung früher übertragen: Automatisierung könnte Freiräume dafür schaffen.
  • Entwicklungspfade sichern: Assistenzebene sowie fachliche und taktische Ebenen müssen verbunden bleiben.
  • Mentoring stärken: Erfahrungswissen muss gezielter weitergegeben werden.
  • KI-Kompetenz definieren: Sie sollte Teil beruflicher Anforderungsprofile werden.
  • Führungskräfte qualifizieren: KI-Kompetenz darf nicht beim eigenen Use-Case enden.
  • Prozesse dokumentieren: Wiederkehrende Abläufe müssen sichtbar werden.
  • Datenflüsse vereinheitlichen: Informationen sollten systematischer weitergegeben werden.
  • Datensilos reduzieren: Gemeinsame Strukturen erleichtern Zusammenarbeit.
  • Schnittstellen berücksichtigen: Software muss Daten austauschbar machen. Das Unternehmen braucht Zugriff auf seine operativen Primärdaten.
  • KI-Nutzung organisatorisch regeln: Vorgaben sollten über Verbote hinausgehen.
  • Personalplanung langfristig ausrichten: Effizienz darf Nachwuchs nicht verdrängen.

Auch für Branchenverbände erweitert sich damit das Aufgabenfeld. Sie können Kompetenzprofile für Produktionsberufe weiterentwickeln. Sie können Erfahrungen aus Unternehmen bündeln. Ebenso können sie Standards für wiederkehrende Prozesse fördern. Hinzu kommen gemeinsame Anforderungen an Software und Schnittstellen. Gerade kleinere Unternehmen können solche Standards kaum allein entwickeln.

Der Ausgangspunkt der Betrachtung bleibt jedoch die Fachkräftesicherung. Die Filmbranche braucht auch künftig erfahrene Produktionsfachkräfte. Wenn KI einfache Einstiegsaufgaben übernimmt, müssen neue Wege entstehen, diese Erfahrung aufzubauen. Die strategische Aufgabe lautet deshalb:

KI-bedingte Produktivitätsgewinne nutzen, um Prozesse anschlussfähig zu machen und zugleich die berufliche Entwicklung der nächsten Fachkräftegeneration sichern.

Wachstum braucht verfügbare Fachkräfte

Ein Produktionsstandort kann Personal nicht kurzfristig „neu erzeugen“. Fachkräfte benötigen Erfahrung, Branchenwissen und belastbare Netzwerke. Viele dieser vertieften Kompetenzen entstehen erst über Jahre. Verlassen Beschäftigte dauerhaft die Branche, geht Wissen verloren und zugleich sinkt die Fähigkeit der Branche zum schnellen Wiederhochfahren im saisonalen Geschäft und im Alltag von kurzfristig geschlossenen Projektfinanzierungen. Das wird besonders relevant, wenn die Anzahl von Projekten am Produktionsstandort steigen soll.

Jeder mögliche Aufschwung trifft bereits jetzt auf weniger Personal, das zeigen unsere Zahlen klar. Eindrücke einer anhaltenden Personalschwemme sind trügerisch. Engpässe wie in den Boom-Jahren der Branche vor und nach der Corona-Pandemie sind jederzeit wieder zu erwarten.

Verlässliche Rahmenbedingungen sind sowohl Voraussetzung für Wachstumsperspektiven und Aufschwung, aber ebenso ein Instrument der Fachkräftesicherung. Ohne Aufträge schaffen solche Rahmenbedingungen zwar keine Arbeitsplätze. Sie erhöhen aber die Wahrscheinlichkeit, dass der Bestand an Fachkräften der Branche auch mittelfristig verfügbar bleibt.

Aus- und Weiterbildung ist eine Standortinvestition

Planungssicherheit allein reicht jedoch nicht. Die Filmwirtschaft weist seit langem strukturelle Bildungsdefizite auf, welche in anderen europäischen Ländern jedoch längst gezielter adressiert werden. Viele Filmberufe besitzen keine formelle Ausbildung, und weiterführende Qualifikationen fehlen. Berufliche Entwicklungswege sind wenig formalisiert, spezialisierte Weiterbildungen bleiben oft lückenhaft und hinzu kommen uneinheitliche Bildungsstandards.

Bereits 2022 hat der BvP auf diese Probleme hingewiesen. Damals zeigten sie sich vor allem als Personalmangel. Heute verliert die Branche Fachkräfte und Nachwuchs zugleich. Das Problem hat seine Erscheinungsform verändert, die strukturelle Aufgabe bleibt jedoch unverändert.

Fachkräftesicherung muss unabhängig von Konjunkturzyklen funktionieren

Dafür braucht es insbesondere:

  • duale Qualifikationswege
  • spezialisierte Weiterbildungen
  • verbindliche Qualitätsstandards
  • qualifizierte Ausbilder und Dozenten
  • geeignete und zertifizierte Bildungsträger
  • zeitgemäße hybride Lehrmethoden
  • eine systematische Bedarfsermittlung
  • eine dauerhafte Koordinierungsstruktur

Diese Strukturen müssen bedarfsgerecht ausgebaut werden. Sie sind keine flankierende Sozialmaßnahme, sondern eine zentrale Investition zur Sicherung des Produktionsstandorts.

Strukturaufbau und individuelle Förderung verbinden

Der Arbeitskreis Fachkräftestrategie Film & TV zeigt einen möglichen Ansatz in der Praxis. Er bündelt Bedarfe, Qualifizierungsprojekte und Berufsprofile, leistet Grundlagenarbeit und vernetzt dabei zugleich Wirtschaft, Bildung, Verbände und weitere Branchenakteure. Seine Funktion erfordert eine dauerhafte Absicherung.

Daneben braucht es Mittel für passgenaue individuelle Qualifizierung. Ein aufzubauender Qualifizierungsfonds könnte dafür geeignet sein. Mögliche Empfänger wären:

  • Betriebe und Beschäftigte
  • projektbefristete Fachkräfte
  • bestimmte Soloselbstständige
  • Rückkehrer in die Branche

In der gegebenen Marktsituation verdienen gerade Rückkehrer besondere Aufmerksamkeit. Nach längerer Branchenabwesenheit kann der Baustein Weiterbildung den Wiedereinstieg erleichtern und vorhandenes Erfahrungswissen erhalten.

Ein Produktionsstandort besteht aus Aufträgen, Infrastruktur und Menschen

Der BvP hat in seiner Stellungnahme zum Entwurf eines Investitionsverpflichtungsgesetzes (MedienInvestVG) deshalb gefordert, Investitionen in Aus- und Weiterbildung im Rahmen von Standortinvestitionen anzuerkennen. Dabei braucht es klare Kriterien.

Anrechenbare Maßnahmen sollten:

  • dem deutschen Produktionsstandort dienen
  • konkrete strukturelle Defizite adressieren
  • überprüfbare Qualifikationen vermitteln
  • anerkannten Qualitätsstandards folgen
  • über einzelne Projektbefristungen hinauswirken

Die Anrechenbarkeit von berufsspezifischer Weiterbildung ist kein neuer Vorschlag. Bereits ein Referentenentwurf des Gesetzes von 2024 berücksichtigte Weiterbildungskosten. Aus- und Weiterbildung sind dem Regelungsmodell also nicht fremd. Auch der Deutsche Bundesrat betonte zuletzt die Notwendigkeit von Standortinvestitionen und bezog dabei berufliche Qualifikation ausdrücklich mit ein.

Hinzu kommt ein weiterer Punkt. Mehrere Sender und Streaming-Anbieter erklärten bereits 2023 bei Gründung des Arbeitskreis Fachkräftestrategie, dass Aus- und Weiterbildung grundsätzlich projektbezogen kalkulationsfähig seien. Das Ziel sei ausdrücklich die wirtschaftliche Umsetzbarkeit von formaler Berufsbildung für Filmberufe.

Wenn Berufsbildung projektbezogen als Produktionsleistung anerkannt wird, liegt eine Schlussfolgerung nahe: Sie sollte auch strukturell als Standortinvestition anerkannt werden.

Fachkräftesicherung muss vor dem Aufschwung beginnen

Die Filmwirtschaft steht vor einem Widerspruch. Sie braucht Fachkräfte, sobald die Produktion wieder anzieht. Gleichzeitig führt die aktuelle Krise dazu, dass genau diese Menschen die Branche verlassen. Dieser Verlust lässt sich später nicht kurzfristig ausgleichen.

Wer heute keine Perspektive erkennt, sucht sie anderswo. Wer die Branche verlässt, nimmt Wissen und Erfahrung mit. Deshalb beginnt Fachkräftesicherung nicht erst beim nächsten Personalengpass. Sie beginnt in der Krise. Sie muss heute beginnen.

Planungssicherheit und Verbindlichkeit können Fachkräfte halten. Doch Bildungsinvestitionen können neue Entwicklungswege schaffen. Beides zusammen stärkt die Resilienz der Branche und die Fähigkeit zum späteren Aufschwung.

Ein erfolgreicher Filmstandort braucht mehr als neue Aufträge. Er braucht Infrastruktur. Er braucht Qualifizierung. Und vor allem braucht er Menschen, die hier ihren Weg sehen.

Aufträge sichern die Filmproduktion von heute. Standortinvestitionen sichern die Filmproduktion von morgen.


Berlin, 5. Oktober 2026                                     Bundesverband Produktion Film und Fernsehen e.V.


(Redaktionelle Anmerkung: Das Titelbild dieses Beitrags wurde mithilfe eines AI-Tools generiert)