„Wir sehen erhebliche Risiken für die beruflichen und kreativen Standards am Filmstandort Deutschland“
Berlin, 30. Dezember 2025: Im Jahr 2025 jährte sich die Gründung des Bundesverbandes Produktion Film und Fernsehen e.V. zum 35. Mal. Der Verband wurde am 22. Mai 1990 in München gegründet. Damals trug er den Namen „Bundesverband Produktion für Herstellungsleiter, Produktionsleiter und Aufnahmeleiter e.V.“ (Abkürzung: „BvP“). Am 1. Juli 1991 wurde der Verband als eingetragener Verein anerkannt.
Ziel der Gründung war es, ein Gegengewicht zu bestehenden Vereinigungen kreativer Filmschaffender zu bilden. Insbesondere der Regieverband BVR prägte bis dahin die öffentliche Debatte. Diese Verbände reklamierten für sich, die Bedingungen künstlerischen Filmschaffens zu sichern und zu vertreten. Der BvP trat an, um diese Perspektive zu ergänzen. Er brachte die kaufmännischen und organisatorischen Sichtweisen der Produktionsberufe ein. Damit wollte er das Spannungsfeld eines zunehmend kommerzialisierten und internationalisierten Filmmarktes ausbalancieren.
In den folgenden Jahren öffnete sich der Verband schrittweise für weitere Produktionsberufe. Seit dem 9. Februar 2013 vertritt er unter seinem heutigen Namen alle Beschäftigten der Produktionsabteilung von Film- und Fernsehproduktionen. Der Verband steht damit für einen Ansatz, der unterschiedliche berufliche Ausgangslagen im „Dialog auf Augenhöhe“ zusammenführt. Ziel ist es, gemeinsame Maßstäbe und Richtwerte zu entwickeln. Dabei werden auch regionale Unterschiede in den beruflichen Realitäten an den verschiedenen deutschen Filmstandorten berücksichtigt.
Der Verband unterstützt die berufliche Praxis seiner Mitglieder auf vielfältige Weise. Er entwickelt klare Standards. Er bereitet berufsrelevante Informationen und Nachrichten auf. Zudem pflegt er ein breites Netzwerk. Dieses umfasst auch Nichtmitglieder sowie Akteure aus Branche, Kultur, Politik, Sozialpartnerschaft und Verwaltung. Mitglieder des Verbands leisteten wiederholt wichtige Beiträge zur qualitativen Bestimmung von Filmberufen. Dazu zählt eine erste Sammlung von Berufsbeschreibungen für Filmberufe, sowie standardisierte Berufsbildformate und Kompetenzprofile, welche bedarfsgerecht auch die Sichtbarkeit von Film als Berufsfeld stärken sollen.
Ein prägendes Beispiel für branchenweites Zusammenwirken war der erste Lockdown der Corona-Pandemie. Filmschaffende entwickelten in einer gemeinsamen Initiative Verfahren für sicheres Arbeiten am Set. Diese orientierten sich „gemäß des Stands der Technik“ an den Vorgaben des Arbeitsschutzes. Unternehmensverbände und weitere Partner unterstützten diesen Prozess aktiv. Parallel dazu einigten sich die Sozialpartner zügig auf einen branchenspezifischen Tarifvertrag zur Kurzarbeit. Diese Standards ermöglichten die Fortsetzung des Produktionsbooms in den Jahren 2020 bis 2022.
Aus Sicht des BvP kann berufliche Interessenvertretung nur gemeinsam mit Brancheninteressen gedacht werden. Die bislang erfolglosen Versuche der Filmberufsverbände, dauerhaft als geschlossene Säule der Branche aufzutreten oder gemeinsame Modelle der Repräsentanz zu entwickeln, zeigen deutlich: Bei fehlender Einigkeit in den Zielsetzungen zeigen sich die Grenzen im dringend nötigen Diskurs für den Weg dorthin. Auch die Branche stößt bei zentralen filmpolitischen Fragen mit ihrer repräsentativen politischen Einflussnahme an ihre Grenzen. Ohne eigene Kompromisslinien überlässt sie Entscheidungen externen Akteuren.
In der aktuellen Debatte um die Reform der Filmförderung zeigt sich dieses Problem deutlich. Eine in Aussicht gestellte Verdoppelung der Bundesfördermittel dient unterschiedlichen Lagern als Argument für ein Narrativ, das der deutschen Filmwirtschaft ohne Auslandsaufträge die Existenzgrundlage abspricht. Der Produktionsstandort soll stärker international ausgerichtet werden. Gleichzeitig jedoch geraten die größten nationalen Auftraggeber unter Druck, weil sie Produktionen kostengünstiger im Ausland umsetzen lassen. Dieser Widerspruch bleibt ungelöst.
Hinzu kommen internationale politische Spannungen und wirtschaftliche Unsicherheiten. Auch die Regulierung großer digitaler Plattformen spielt dabei eine Rolle. Mangels belastbarer, regelbasierter Vereinbarungen dürften solche Konflikte den deutschen Filmstandort unmittelbar treffen – und seine Widerstandsfähigkeit ist begrenzt.
Vor diesem Hintergrund sieht der Verband erhebliche Risiken für das Personalwesen der Branche. Es fehlen Impulse zur Sicherung des Fachkräftebedarfs. Gleichzeitig gibt es Bestrebungen zu längeren Arbeitszeiten. Auch soziale Mindeststandards stehen zur Disposition. Daraus entsteht der Eindruck, Wettbewerbsfähigkeit solle durch den Abbau sozialer Standards erreicht werden.
In den 35 Jahren seines Bestehens zeigte sich ein anderes Bild. Internationales Kapital für den Filmproduktionsmarkt kam nur selten wegen technischer Spitzenstandards nach Deutschland. Ausschlaggebend waren meist gute Drehbedingungen und die hohen beruflichen und kreativen Standards in der physischen Filmproduktion. Sie kompensierten schon häufig durchschnittliche Förderbedingungen.
Als Berufsverband möchte der Bundesverband Produktion Film und Fernsehen e.V. weiterhin Verantwortung übernehmen. Er will die Zukunft des Filmstandorts Deutschland weiterdenken und aktiv mitgestalten. Dabei versteht er sich auch künftig als zuweilen kritischer Sparringpartner der Branche.
Der Vorstand
Bundesverband Produktion Film und Fernsehen e.V.
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